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2009-02-19 / Fränkische
Nachrichten
THOMAS HESS
Faszinierende
Einblicke in fremde Welten
Dr. Daniel Veith zeigte beeindruckende
Bilder von seiner Reise in den Kaukasus
Georgien, Armenien und Aserbaidschan hießen die
Reise-Stationen, die Dr. Daniel Veith bei seinem jüngsten
Bild- Vortrag im Engelsaal des Kunstvereins präsentierte, die
unter dem Titel "Kaukasus - Abenteuer zwischen Orient und Okzident"
interessante und faszinierende Einblicke in die vielschichtige
Realität einer geschichtsträchtigen
Vielvölkerregion gewährte.
Dr. Veith, geboren 1980, hauptberuflich Sprachwissenschaftler mit
Schwerpunkt Romanistik und derzeit Lektor an der Universität
Salamanca, außerdem Fotograf, Comic- Künstler,
Romanautor ("Vespuccis Wiederkehr") und - last but not least -
unablässig dokumentierender Weltreisender in allen
Kontinenten, unternahm seine jüngste Erkundungstour im
Kaukasus ausgerechnet im Sommer 2008, als sich Russland und Georgien
eine kurze aber heftige Auseinandersetzung um die separatistische
Republik Süd-Ossetien lieferten.
Auch davon handelte seine insgesamt fast dreistündige
Reisereportage im "Engelsaal", doch mehr noch von den
persönlichen Eindrücken und Erlebnissen unter
Völkern, die in vieler Hinsicht noch nicht ganz im 21.
Jahrhundert angekommen sind und hinter einer dünnen
Tünche von Modernität weiter an archaischen
Lebensformen hängen, die viele Jahrhunderte voller Kriege und
Umbrüche praktisch unverändert überstanden
haben.
Der Kaukasus - so Dr. Veith einleitend - werde in Europa vor allem als
Region von Kriegen und Konflikten zwischen Nationen wahrgenommen, die
allesamt tiefe Wurzeln in der Vergangenheit der jeweiligen Kontrahenten
haben. Der georgisch-russische Konflikt um Süd-Ossetien im
August 2008 seit dabei nur ein Beispiel von vielen, der
armenisch-aserbaidschanische um die Region Berg-Karabach ein anderes.
Ein Grund dafür sei die extreme ethnische (und damit auch
sprachliche und religiöse) Heterogenität des
Kaukasus, die sich in Jahrhunderten der äußeren
Abgeschlossenheit dieser eurasischen Gebirgsregion herausgebildet habe.
Besonders im heutigen Georgien gebe es zahlreiche ethnische
Minderheiten, die inzwischen vielfach nach Loslösung vom
derzeitigen Staat streben.
Im Mittelpunkt von Dr. Veiths Reisereportage standen jedoch weniger die
politischen und historischen Verwerfungen sondern die lebendige
Begegnung mit Kultur und Alltagsleben von drei benachbarten Staaten,
die - an Größe einem mittleren deutschen Bundesland
vergleichbar - eine weit größere
Eigenständigkeit aufweisen, als es unter unseren
mitteleuropäischen Verhältnissen denkbar
wäre. Die ausgiebig bebilderte Reiseroute führte vom
türkischen Ankara, "eine der hässlichsten
Städte des Erdkreises", zunächst an die georgische
Schwarzmeerküste mit ihrer subtropischen Vegetation und dann
ins gebirgige Innere der Region, deren abgelegenere Gegenden noch kaum
von westlicher Zivilisation beleckt sind.
Eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen, städtische Impressionen
von Batumi über Tiflis bis ins aserbaidschanische Baku und
dann zurück ins armenische Eriwan, Fotos von malerischen
Kirchen und Klöstern, viele davon erst in jüngerer
Zeit erbaut, Museen, ehemaligen Karawansereien und protzigen
Regierungspalästen, aber auch desolaten
Hotelunterkünften und verfallenen, vermüllten
Vierteln wechselten einander in bunter Folge ab.
Von Mal zu Mal verdichtete sich der Eindruck, dass die
öffentliche Infrastruktur in den Kaukasusstaaten nicht nur
vielfach bei uns unvorstellbare Defizite aufweist, sondern das
Verhältnis der Menschen zu ihren öffentlichen
Einrichtungen (und überhaupt zu allen Errungenschaften der
Moderne) grundsätzlich anders ist als bei uns.
Demgegenüber steht die spontane Herzlichkeit und
Gastfreundschaft der meisten einfachen Menschen gegenüber dem
fremden Besucher.
An exotischen Kuriositäten und abenteuerlichen
Zufällen mangelte es in Dr. Veiths Reisereportage ebenfalls
nicht: An der Grenze zwischen Georgien und Aserbaidschan geriet der
Entdeckungsreisende kurzzeitig in Verdacht, russischer Spion zu sein
und verbrachte unerquickliche Stunden unter Militärbewachung.
Grotesk und eher abstoßend erschien dem Reporter auch der
Totenkult, der in diesem islamischen Ölstaat am Kaspischen
Meer um den früheren Präsidenten Gejdar Alijew
getrieben wird, der in seiner ersten Karriere zeitweise als KGB-Chef
der ehemaligen Sowjetunion fungierte.
Das war aber noch gar nichts im Vergleich zu dem teils schauerlich
komischen, teils makabren Panoptikum, das den Besucher in der
Stalin-Gedenkstätte im georgischen Gori, dem Geburtsort des
vielleicht am meisten gefürchteten Gewaltherrschers des 20.
Jahrhunderts erwartet. "Stalinwein" (die Georgier sind große
Liebhaber des Rebensafts) gehört dabei noch zu den
angenehmeren Stücken aus der Devotionaliensammlung, die man
als Gast aus Deutschland nicht ohne eine gewisse Beklemmung inspiziert.
An solchen Beispielen spürt man doch den großen
Abstand, die diese Ecke der Welt von Mitteleuropa trennt. Denn dass in
einem Gedenkmuseum in Braunau am Inn irgendwann einmal "Adolfsquelle"
angeboten wird, davon sind wir doch noch ein Stück weit
entfernt...
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