2008-10-24 / Fränkische Nachrichten

ULRICH FEUERSTEIN

Ein ethnographischer Zickzackflug

Matthias-Grünewald-Gymnasium: Vortrag von Daniel Veith bildete Auftakt zur neuen Reihe "Forum MGG"

Er ist ein Flaneur zwischen zwei Welten und bekennender Lateinamerika-Enthusiast. Daniel Veith, Lektor für Deutsche Sprache an der Universität Salamanca, hat Spanien, Portugal und Südamerika bereist. In der Aula des Matthias-Grünewald-Gymnasiums unternahm er einen Kulturvergleich in Bildern.

Der Vortrag, der in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein stattfand, bildete den Auftakt einer neuen Veranstaltungsreihe unter dem Motto "Forum MGG".

Als "Plattform für Begegnungen" wollte der neue Schulleiter Josef Münster das Matthias-Grünewald-Gymnasium verstanden wissen. Es soll seinen Angaben zufolge als Forum dienen, auf dem Künstler, Personen und Generationen in einen kreativen Austausch treten.

Daniel Veith, selbst Absolvent der traditionsreichen Bildungsanstalt, startete seinen Streifzug zwischen den Kulturen der Iberischen Halbinsel und Lateinamerikas in Salamanca. In der "Perle der Renaissance und des Barock" ist er seit Januar 2007 Lektor an der Abteilung für Germanistik der Philologischen Abteilung. "Hier ist es eine Lust zu arbeiten", befand Veith. Kein Wunder, ist sein Arbeitsplatz im alten Universitätsinternat untergebracht, mit Blick auf architektonische Prachtbauten.

Fazinierend, das beschauliche Leben in der schöpferischen Stille jahrhundertealter Universitätsbibliotheken. Salamanca vereine, so Veith, kosmopolitisches Ambiente und Kleinstadtcharme. Eine besondere Quelle der Inspiration sei die höchste Konzentration junger lateinamerikanischer Intellektueller in Spanien.

Als "soziologische Antithese" bezeichnete Veith die Landeshauptstadt Madrid. Hinter der schillernden Fassade der Großstadtmetropole verberge sich ein latenter Rassismus gegenüber Einwanderern. Nächste Station auf Veiths ethnographischem Zickzackflug durch die iber(oamerikan)ische Welt war Buenos Aires. Die Hauptstadt Argentiniens nannte er den "Inbegriff europäisch inspirierter Zivilisation". Ein Ruf, der auch auf den hohen Anteil italienischer Einwanderer zurückzuführen ist.

Ein Abstecher galt deutschen Gemeinden im Süden Brasiliens. Blumenau ist berühmt für das nach München größte Oktoberfest der Welt. In Rolandia findet sich ein Bremer Roland unter Palmen. Neben kulturellen Aspekten beschäftigte Daniel Veith sich auch mitwirtschaftlichen Sachverhalten.

Dem Süden Brasiliens bescheinigte er einen hohen Entwicklungsstand im Gegensatz zu dem von Armut und Korruption geprägten Norden. Während die Megalopolis São Paulo ein Drittel der Wirtschaftkraft Brasiliens erziele, sei der Norden geprägt von feudalistischen Strukturen aus der Kolonialzeit mit totalitär herrschenden Großgrundbesitzern. "Brasilien ist alles andere als eine schokobraune Paradiesallegorie“, rückte Veith gängige Klischees zurecht.

Auch mit einem anderen Vorurteil räumte er auf: Nachts herrsche in den Städten keineswegs großer Trubel. Das erhöhte Sicherheitsrisiko habe ein beschränktes Nachtleben zur Folge. Eine andere Ursache sind nach Veiths Angaben kulturelle Konventionen der ehemaligen portugiesischen Kolonie. So sei es im Mutterland ebenfalls nicht üblich, die Nacht zum Tage zu machen.

Angesichts der zahlreichen Probleme, die die Länder Südamerikas allen wirtschaftlichen Erfolgen zum Trotz immer noch haben, forderte Veith eine ethische Revolution, die Gewalt, Misswirtschaft, Korruption und Nepotismus ein Ende bereite. Argentinien sei ein Beispiel dafür, wie eine Militärjunta auf friedlichem Weg gestürzt und ein Demokratisierungsprozess eingeleitet werden könne.

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Lebenslauf Daniel Veith

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