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2008-10-21 / Main-Post
ANDREAS JUNGBAUER
Tolle
Uni und viel Sonne
Frag-würdig:
Würzburger in Salamanca
[Ungekürzte Originalversion des Interviews]
Er ist ein wissenschaftlicher Weltreisender, spricht sieben Sprachen
und lehrt derzeit als Dozent in Würzburgs spanischer
Partnerstadt Salamanca. Am kommenden Donnerstag ist Dr. Daniel Veith,
gebürtiger Tauberbischofsheimer und
Grünewald-Abiturient, mit einem Vortrag mal wieder in
Würzburg. Wir sprachen mit dem 28-Jährigen
über seine interkulturellen Erfahrungen.
Herr Dr. Veith, Sie leben und arbeiten
seit vergangenem Jahr in Salamanca. Wie gefällt es Ihnen in
Würzburgs Partnerstadt?
Ausgezeichnet! Die Stadt ist von ihrer Atmosphäre her ein
Traum, und auch die Arbeitsbedingungen an der Universität
könnten nicht vollkommener sein. Neben der Lehre bleibt mir
Zeit für eigene Projekte, etwa meine Forschungen über
Minderheitensprachen und deutsche Kultur im Ausland oder meine Artikel
und Reisereportagen, die ich als freier Journalist für
Blätter wie FAZ, Süddeutsche oder den Stern schreibe.
Gibt es auch Schattenseiten?
In Salamanca haben wir zwar fast täglich strahlenden
Sonnenschein, da die Stadt aber 800 m hoch liegt, wird es bis auf die
drei Sommermonate eigentlich nie richtig heiß. Das wirkt sich
auch auf die Menschen aus: Die Bewohner von Zentralspanien sind nicht
immer ganz so offen, wie man es von Südländern
erwarten würde.
Was charakterisiert Salamanca
eigentlich besonders?
Salamanca eines der besterhaltenen historischen Stadtzentren
überhaupt; nicht ohne Grund hat man es in die UNESCO-Liste des
Weltkulturerbes aufgenommen. Nirgendwo sonst habe ich auch ein so
intensives Nachtleben gesehen. Um drei Uhr morgens ist auf dem
Hauptplatz mehr los als um drei Uhr nachmittags. Außerdem
bietet Salamanca trotz seiner relativ geringen Größe
(180.000 Einwohner) durch die vielen ausländischen
Gaststudenten und Sprachschüler ein geradezu kosmopolitisches
Ambiente.
Wie werden Sie als Deutscher dort
aufgenommen?
Meistens werde ich zuerst für einen Erasmus-Studenten
gehalten, ehe dann die Leute mitkriegen, dass ich als Lektor an der
Universität arbeite. Gerade die zahlreichen
südamerikanischen Masterstudenten oder Doktoranden freuen
sich, einen Nicht-Latino zu treffen, mit dem sie über ihre
Heimat diskutieren können.
Was wissen die Leute über
Würzburg als Partnerstadt?
Manche Spanier verbinden mit "Birtsburk" (kein Mensch kann es richtig
aussprechen) nur eine Bar, einen kleinen Park und eine Sporthalle, die
nach der Partnerstadt benannt sind. Natürlich gibt es einen
Erasmus-Austausch mit der Uni Würzburg, aber es wäre
wünschenswert, dass die Salmantiner Stadtverwaltung noch mehr
Info-Arbeit für die Partnerschaft leisten würde.
Was sind die
größten Unterschiede zwischen den beiden
Städten?
Salamanca ist ein Synonym für Universität,
Gaststättengewerbe und Tourismus (Weltkulturerbe).
Außerhalb dieser Sparten gibt es so gut wie keine
Arbeitsmöglichkeiten. Würzburg ist zwar auch ein
wichtiger Universitätsstandort, aber man muss die Stadt nach
dem Studium nicht unbedingt verlassen, um einen Job zu finden.
Und die Menschen? Wie sehen sie die
unterfränkische und südspanische Mentalität
im Vergleich?
Wollte man Würzburger mit Salmantinos vergleichen,
würde man nicht allzu viele Unterschiede feststellen. Die
Südspanier, also etwa die Andalusier, verhalten sich dagegen
von der Offenherzigkeit und Fröhlichkeit her fast schon wie
die Latinos.
In seinem Vortrag am Donnerstag, 23. Oktober, ab 20 Uhr im Falkenhaus
(Max-Dauthendey-Saal) nimmt Veith - ausgehend von Salamanca - einen
Kulturvergleich zwischen der Iberischen Halbinsel und Lateinamerika vor.
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