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2006-11-15 / Tauber-Zeitung
HEIKE HEISE
Von
Fitzcarraldo und Magellan inspiriert
Leute heute: Daniel Veith aus
Tauberbischofsheim
Daniel Veith ist erst 26 Jahre alt und ein echter
"Überflieger". Er beherrscht sieben Sprachen, ist
Südamerikaexperte, Autor, hält Diavorträge
und hat demnächst seinen Doktortitel in der Tasche. Angefangen
hat alles auf den Italienreisen mit seinen Eltern.
Tauberbischofsheim. Wenn Daniel in seinem Reisepass blättert,
fallen ihm zu jedem Stempel Geschichten ein. "Der große hier,
wo NULO steht, das war auch so ein Ding. Wir wollten mit dem Mietwagen
von Bolivien aus nach Peru einreisen". Daniel lacht und streicht sich
dabei eine dunkle Haarsträhne aus dem Gesicht. Damals
allerdings, 2003, war ihm und seinem Reisebegleiter Hans-Christian
Landstorfer nicht zum Lachen zumute. Zwei Ausländer mit einem
chilenischen Pickup - das geht eben nicht immer reibungslos an jeder
Grenze ab. Letztendlich kamen die beiden doch noch an das
gewünschte Ziel, Machu Picchu. "Da brauche ich nicht wieder
hin", kommentiert er lakonisch die Inkastadt, die sich inzwischen zur
Touristenattraktion mit allen negativen Eigenschaften entwickelt hat.
Daniel Veith liebt eher die unberührte Natur
Südamerikas.
Angefangen hat alles auf den zahlreichen Reisen mit seinen Eltern durch
Italien. Hier lernt er ganz nebenbei Italienisch. Später
kommen neben Latein, Englisch und Französisch noch Spanisch
und Portugiesisch dazu. Eine selbstentwickelte Methode macht ihm das
Lernen leicht. Nach dem Abitur im Jahr 2000 am
Grünewaldgymnasium absolviert er seinen Zivildienst im
Tauberbischofsheimer Krankenhaus. In dem Jahr fährt er mit
einer Kolpingreisegruppe zum ersten Mal nach Südamerika.
Genauer gesagt nach Chile, um hier in einem Armenviertel tätig
zu sein. Diese Lebensfreude trotz der zahlreichen Probleme, das ist es,
was ihn begeistert.
Inspiriert von Werner Herzogs Film "Fitzcarraldo" und Magellans Sinn
für Abenteuer, macht er sich nach seinem ersten Semester an
der Universität Würzburg gemeinsam mit seinem Freund
auf, um den südamerikanischen Kontinent weiter zu erforschen.
Von Santiago bis Feuerland und zurück - zwölftausend
Kilometer mit dem Auto. Von da an gibt es kein Halten mehr. Ob als
Forschungsstudent oder Privatperson, Daniel Veith hat nicht nur dort
gearbeitet und Studien betrieben, sondern fast alles bereist, was der
Kontinent zu bieten hat. Mehrere Monate im Jahr verbringt er in
Südamerika. Inzwischen ist er auf die stattliche Summe von
etwa 50.000 Kilometern mit dem Auto und noch einmal soviel mit dem Bus
quer durch Brasilien, Chile, Ecuador gekommen, durch die
Atacama-Wüste, über steile Andenpässe,
vorbei an Machu Picchu, La Paz oder Cuzco.
Nach drei Semestern Romanistik, Germanistik und Kunstgeschichte ist der
junge Student scheinfrei und schreibt seine Doktorarbeit über
die Italiener am Río de la Plata. Momentan vertreibt er sich
die Zeit mit Artikel schreiben für die Frankfurter Allgemeine
Zeitung oder hält Diavorträge über seine
zahlreichen Reisen und Abenteuer, beispielsweise vergangenen Montag vor
ausverkauftem Engelsaal in Tauberbischofsheim. Auf die Frage, ob er
eigentlich auch argentinischen Tango tanzen kann, lacht er hellauf: "Na
klar, und nicht nur das. Merenge und Salsa kann ich auch".
Daniel Veith plant schon die nächste Reise nach
Südamerika. Aber vorher muss er wohl einen neuen Reisepass
beantragen, denn der alte ist mit Visa-Stempeln rappelvoll.
FOTO: Auf
seiner letzten Reise durch Südamerika stattete Daniel Veith
unter anderem den Ruinen von Quilmes einen Besuch ab.
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