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2006-11-11 / Fränkische
Nachrichten
NORBERT SEYBOLD
Die
große Liebe heißt Südamerika
Daniel Veith hat viele Semester seines
Studiums zwischen Rio und Patagonien verbracht
Die Reiselust und die Liebe zum südamerikanischen Kontinent
ist ungebrochen - auch wenn Daniel Veith die meiste Zeit der letzten
Jahre dort verbracht hat. Der 26jährige steht nun vor der
Abschlussprüfung seiner Promotion zum Thema "Italienisch am
Río de la Plata" und könnte sich gut vorstellen,
auch seine berufliche Zukunft östlich der Kordillere zu
verbringen. Einige seiner Erfahrungen vor allem im Westen des
Kontinents zeigt er am Montag, 13. November, um 20 Uhr im "Engel"-Saal
in Tauberbischofsheim (hinter dem Rathaus) in einer Dia-Schau.
Die Liebe des jungen Daniel Veith galt zunächst Italien, so
dass nach dem Abitur im Jahr 2000 am
Matthias-Grünewald-Gymnasium und einen Jahr als Zivi -
während dieser Zeit kam er über eine Reise der
Kolping-Jugend erstmals nach Chile - logischerweise die
Studienfächer in Würzburg Romanistik (Hauptfach),
Germanistik und Kunstgeschichte hießen. Schon nach drei
Semestern waren alle notwendigen Scheine unter Dach und Fach und so
ging er 2003 erstmals nach Chile, genauer nach Santiago, versehen mit
einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD).
Vergleichende Sprachwissenschaft war das Thema der Studien - ein
Bereich, den Daniel Veith bis heute begeistert und deshalb auch Thema
der Doktorarbeit ist.
Zwei Semester blieb er an der Westküste des Kontinentes und
während dieser Zeit unternahm er die Tour in die Anden, aus
der ein Großteil seines Dia-Vortrags besteht.
Nächstes Ziel in Südamerika war Buenos Aires, wo er
Forschungen für die Magisterarbeit betrieb, gleichzeitig aber
auch die Doktorarbeit vorbereitete. Anscheinend war auch dieser
Aufenthalt sehr fruchtbar, denn die Magisterarbeit selbst schrieb
Daniel Veith innerhalb von nur drei Wochen. Vier Monate in Neapel
dienten als Vorbereitung auf die Magisterprüfung, die im Juli
2004 erfolgreich abgeschlossen wurde.
Der Ruf Südamerikas ertönte allerdings gleich wieder
- bis zum Jahresende unterrichtet der Tauberbischofsheimer in Brasilien
nach einem von ihm selbst entwickelten System Sprachschüler in
Deutsch. Er selbst hatte mit diesem System unter anderen erfolgreich
Italienisch gelernt.
"Es geht um die Basisstruktur eines Gespräches", so Veith. Die
Grundfragen heißen dabei: Was ist passiert, was geschieht
gerade und was wird passieren? "Man muss das Sprechen lernen, aber auch
die Grammatik", ist sein Credo. Das Lernen reiner Strukturen ist
für ihn eher nebensächlich.
In die brasilianische Zeit fiel eine für ihn "abenteuerliche"
Entdeckung: Die Stadt Rolândia, eine ursprünglich
deutsche Kolonie, die von Bremer Bürgern gegründet
wurde und in deren Mittelpunkt deshalb unübersehbar der
"Roland" thront. Hier kam ihm die Idee, sein Promotionsprojekt in Form
vergleichender Sprachstudien im "Kleinen" zu erproben und somit auch
beim Antrag auf ein weiteres Stipendium des DAAD ein fertiges Konzept
vorlegen zu können. So entstanden Fragebögen zum
Thema Deutsch und Portugiesisch (für Rolândia), die
dann im großen Rahmen bei der eigentliche Doktorarbeit in
Argentinien wieder verwendet werden können - hier zum
Vergleich Spanisch-Italienisch.
In der ehemals deutschen "Kolonie" zeigte sich dabei, dass es schon ab
der zweiten Generation darauf ankommt, ob die Eltern die deutsche
Sprachtradition intensiv pflegen. Bei der dritten Generation aber ist
bereits die ursprünglich deutsche Muttersprache verloren, ja
manche jungen Leute haben sogar ehe eine anti-deutsche Einstellung.
Argentinien war dann das Ziel des nächsten Jahres, wo Daniel
Veith intensiv seine soziolinguistischen Feldforschungen zum
Sprachvergleich bis April dieses Jahres betrieb. Dabei kam er sogar in
Kontakt mit dem ehemaligen Staatspräsidenten Raúl
Alfonsín. Innerhalb nur eines Tages stand
Alfonsín zur großen Überraschung zu einem
Interview bereit. "Er war der einzige Politiker Argentiniens, dem
während seiner Amtszeit nichts - will heißen
Korruption - angehängt wurde", so Veith. Und nicht erst seit
diesem Erlebnis lautet Daniel Veiths Überzeugung:
"Südamerika braucht eine ethische Revolution. Die politischen
Richtungen, wie rechts oder links, haben hier jeden Sinn angesichts der
auf beiden Seiten herrschenden Korruption verloren".
Neben den Sprachstudien aber gilt die Liebe des Tauberbischofsheimers
den Menschen und vor allem auch der Landschaft des
Südamerikanischen Kontinents. Insgesamt ist er 50.000
Kilometer mit dem Auto und ebenso viele Kilometer mit dem Bus dort
unterwegs gewesen. "Gerade mit dem Auto hat man die
Möglichkeit, viele Sachen zu entdecken, die in keinem der
gängigen Reiseführer zu finden sind". Diese Guides
gehen nur von Busreisen aus, so der erfahrene Globetrotter, alles was
rechts und links der Straße liegt sei nicht
berücksichtigt.
"Die Landschaftsformationen hier in Südamerika sind einfach
phantastisch. Vom Regenwald über Landschaften, die an das
Allgäu erinnern, bis zum Hochgebirge oder der Wüste
ist einfach alles vorhanden".
Seine Dia-Schau beschränkt sich auf die Anden, insgesamt drei
Touren hat Daniel Veith unternommen. Dabei steht die
Improvisationskunst hoch im Kurs, wenn zum Beispiel bei der Einreise in
ein Land der Zöllner unmissverständlich klar macht,
dass eine Einreise mit einem Mietwagen unmöglich ist - trotz
aller notariell beglaubigte Dokumente. Einige Stunden später
an einem anderen Übergang ging's dann doch.
Niederschlag gefunden haben die Südamerika-Aufenthalte nicht
nur in den FN, sondern Daniel Veith ist auch als Freier Mitarbeiter bei
der FAZ und der Süddeutschen Zeitung tätig. Wer mehr
über den sympathischen jungen Mann erfahren möchte,
sollte am Montag zum Vortrag gehen oder sich auf der Homepage unter
www.danielveith.com informieren.
FOTO (1):
Die großartigen Landschaften des südamerikanischen
Kontinents faszinieren Daniel Veith ganz besonders. Vor allem in den
Anden sind atemberaubende Formationen zu entdecken.
FOTO (2): Mit den Menschen ins Gespräch zu kommen - kein
Problem für den sprachgewandten Daniel Veith (rechts).
Überhaupt hatte er auf all seinen vielen Fahrten noch kein
einziges Erlebnis mit kriminellem Touch.
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