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2005-01-14
/ Tauber-Zeitung
HEIKE VON BRANDENSTEIN
Die
Deklination ist am schwierigsten
Daniel Veith bricht heute nach Buenos Aires auf
Tauberbischofsheimer auf Studienreise für Promotion
Daniel Veith ist einer, der eigentlich ständig auf Achse ist.
Interessiert, Neues zu entdecken, auszuprobieren und sich von anderen
Kulturen und Sprachen einnehmen zu lassen, ist er aber kein
Weltenbummler nach herkömmlichem Klischee, sondern einer, der
sich der Sprachwissenschaft verschrieben hat. Der 24jährige
machte sich vom Weihnachtsurlaub in Tauberbischofsheim gestern wieder
nach Buenos Aires auf, um sich erneut eine Bleibe für seine
Studien zu suchen.
Wenn Daniel Veith von Südamerika erzählt, ist ihm die
Begeisterung deutlich anzumerken: Nicht allein die portugiesische oder
spanische Sprache haben es ihm angetan, sondern auch Land und Leute
sowie deren Geschichte. Dabei erstaunen ihn immer wieder die
Unterschiede zwischen Stadt und Land sowie Nord und Süd.
"São Paulo ist für mich der Inbegriff und Albtraum
westlicher Urbanität", beschreibt er seinen Eindruck von der
Metropole, in der ihm die Wolkenkratzer noch viel eindrucksvoller als
in New York erschienen. In Rio de Janeiro hingegen hat ihn allein der
Corcovado mit seinem Weltblick beeindruckt. Ansonsten empfand er die
berühmten Strände als verschmutzt und nicht gerade
attraktiv.
Doch eigentlich hält sich Veith nicht in Südamerika
auf, um sich dort Städte anzuschauen und allein dem reisenden
Bildungsprinzip zu huldigen. Vielmehr gilt sein anstehender Aufenthalt
der Promotion im romanistischen Fach der vergleichenden
Sprachwissenschaft. Im vergangenen Juli machte der damals gerade erst
23jährige Student an der Universität
Würzburg seinen Magister mit der Abschlussnote sehr gut. Mit
gerade einmal vier studierten Semestern war er damit der erste, der
sein Studium in so kurzer Zeit absolvierte. Lautete sein Arbeitsthema
bei Prof. Wilhelm Pötters damals "Untersuchungen zum
italienisch-spanischen Sprachkontakt am Río e la Plata",
will er in seiner Doktorarbeit jetzt darauf aufbauen.
Wieder geht es ihm darum, wie und ob die italienische Sprache in
bestimmten Gebieten Eingang in die spanische Sprache gefunden hat. "Es
geht um den Sprachkontakt, um die Frage nach Vermischung oder
Differenzierung und damit auch um die Frage, inwieweit sich die
Globalisierung auch in der Sprachentwicklung erkennen lässt",
sagt Daniel Veith.
Einen ersten Praxistest, wie er seine hohen Ziele erreichen kann, hat
er in Rolândia, einem Vorort der brasilianischen
600.000-Einwohner-Stadt Londrina, unternommen. Rolândia wurde
einst von drei Bremern gegründet, weshalb die Stadt auch
über einen verkleinerten Roland verfügt. Nachkommen
ehemaliger deutscher Einwanderer hat Daniel Veith einen Katalog mit 40
Fragen vorgelegt, welche deutschen Worte sie kennen, ob sie
überhaupt noch deutsch sprechen, wie lange sie deutsch gelernt
haben und mit wem in der Familie deutsche Konversation gepflegt wurde
oder wird.
Bei diesem Test hat Veith herausgefunden, dass sich die Antworten,
bezogen auf unterschiedliche Generationen, wiederholen und so Lehren
für seine nächsten Studien gezogen. Bei seiner
Promotion in Buenos Aires geht es ihm wiederum um Italianismen im
Spanischen, die er in einem Wörterbuch als aktuelle
Bestandsaufnahme festhalten will. Zudem will er aufzeigen, wo und in
welchem Zusammenhang Italianismen verwandt werden, um so eine
Verbindung zwischen gesellschaftlichen oder sozialen und sprachlichen
Komponenten herzustellen. Mitte des kommenden Jahres, dann ist Daniel
Veith 25 Jahre alt, will der Sprachwissenschaftler seine Promotion
abgeschlossen haben.
Ein Promotionsstipendium hat Veith vom Deutschen Akademischen
Austauschdienst (DAAD) erhalten. 17 Bewerber aus den
unterschiedlichsten Wissenschaftsgebieten standen auf der Auswahlliste
für Südamerika, vier wurden vergeben. Daniel Veith
freut sich, dass er darunter ist, ermöglicht ihm ein DAAD
Stipendium nun wiederholt einen Auslandsaufenthalt und Forschung vor
Ort.
Doch weil Daniel Veith nicht nur forscht, sondern auch gern praktisch
ausprobiert, wie Sprachen schnell und sicher gelernt werden
können, hat er an der Filadelfia-Universität von
Londrina über drei Monate hinweg Deutschkurse nach einer
selbstentwickelten Methode gegeben. Mit einem Grundwortschatz von 1500
Worten und einer grammatikalischen Grundstruktur, die die Zeiten
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als Maßstäbe
der Kommunikation annimmt, gelang es ihm, Sprecher romanischer Sprachen
schnell zur Sprechfähigkeit im Deutschen zu verhelfen. "Am
schwierigsten", so Veith, "ist die Deklination von Adjektiven."
Dass deutsch gerade in Brasilien eine große Rolle spielt und
Deutsche dort hohen Respekt genießen, hat Veith bei vielen
Gelegenheiten erfahren. "Das Oktoberfest in Blumenau mit einer
Fachwerkhäuser gesäumten Straße war die
Krönung", stellt er amüsiert fest. Die Bierhallen
würden da nicht einmal abgebaut, sondern seien in riesigen
Messehallen untergebracht.
Wenn Daniel Veith in Buenos Aires ankommt, wird er in den ersten vier
Wochen wiederum reisen. Dieses Mal steht der Nordosten auf dem
Programm. Erst danach wird er sich intensivst seinen wissenschaftlichen
Studien widmen.
Der Sprachwissenschaftler Daniel Veith ist
von Südamerika begeistert. Vor Ort betreibt er Studien
für seine Promotion.
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| Hier können Sie einen
ausführlichen Lebenslauf von Daniel Veith im PDF-Format
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