2001-09-20 / X-ray (Remscheider General-Anzeiger)

SUSANNE

Experte in Sachen Duck

X-ray stellt euch einen waschechten Donaldisten vor

"D.O.N.A.L.D." bezeichnet nicht nur die wohl berühmteste (männliche) Ente der Welt, sondern ist auch die gebräuchliche Abkürzung für "Deutsche Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus". 1977 wurde D.O.N.A.L.D. in Hamburg gegründet und hat heute bundesweit zwischen 500 und 600 Mitglieder. Wer zu Gründungszeiten 20 Jahre alt war, ist heute fast 45 und muss sich warm anziehen. Die Donaldisten - Menschen, denen die Familie Duck und die Welt, in der sie lebt, besonders am Herzen liegen - sind es gewohnt, belächelt, wenn nicht gar verspottet zu werden. "Spinner" ist das Wort, das dabei am häufigsten fällt. Daniel Velth (20) aus Tauberbischofsheim ist Jung-Donaldist. Ein Spinner ist er nicht.

Daniel ist das, was man einen Überflieger nennt. Sein Lebenslauf klingt beeindruckend. Mit vier Jahren begann er Comic-Figuren zu zeichnen, mit elf Karikaturen, Stadtpläne und Architekturbilder. Seine erste Ausstellung hatte er noch als Grundschüler, bis heute folgten fünf weitere Ausstellungen und Preise für seine Arbeiten. Er hat bereits fünf Bücher - unter anderem für einen namhaften Schulbuchverlag - illustriert, Zeitschriftencover, Plakate, einen Katalog und eine Internetpräsentation gestaltet. Sein Abitur machte er mit 1,3 und sucht bis jetzt noch einen Verleger für seinen ersten Roman, eine 500-Seiten-Satire. Im Oktober fängt er in Würzburg ein Studium an.

Und wie kam Donald ins Spiel? "Ich zeichne, seit ich denken kann", sagt Daniel, "meine erste konkrete Zeichnung hab' ich mit zwei Jahren gemacht." Sie zeigte - eine Ente: "Das war mein donaldisches Schlüsselerlebnis". Dass Vater Roland seinem Ältesten seine noch aus den Fünfzigern stammenden Donald-Duck-Comics vorgelesen hat, mag wohl darüber hinaus eine prägende Rolle gespielt haben: "Mit vier Jahren hab' ich meinen ersten Donald gezeichnet." Als Daniel 1994/95 im Fernsehen einen Bericht über Carl Barks - den Zeichner, der Donald Duck als Figur 1942 übernahm und die Geschichten um so wichtige Figuren wie Onkel Dagobert, Gustav Gans, Daniel Düsentrieb oder die Hexe Gundel Gaukeley bereicherte - sah, machte es "Klick". Er nahm Kontakt zum damaligen Kassenwart der Donaldisten auf und war mit 14 Jahren zum ersten Mal bei einem D.O.N.A.L.D-Kongress in Lübeck dabei.

"Man wird als Donaldist geboren", sagt er heute, und das verlangt nach Erklärung. "Mein Vater hat die Comics gelesen und sich dran erfreut - und das war's. Bei mir war's mehr", versucht es Daniel. Bitte? Sein Vater, sagt Daniel, hätte nie einen wissenschaftlichen Artikel über den "Grundriß der Duckenburg" geschrieben oder einen Kongress-Vortrag über "Die Küste Entenhausens" gehalten. Sein Sohn tat's - und war der jüngste Vortragende, den die Donaldisten je erlebten.

Echte Donald-Duck-Comics sind für Donaldisten nur die Geschichten, die Carl Barks gezeichnet und Erika Fuchs übersetzt hat. Wobei die 1906 geborene Erika Fuchs mehr als bloß eine Übersetzerin war: Sie schuf ab 1951 mit lautmalerischen Ausdrücken wie "Grübel", "Ächz", "Stöhn" oder "Platsch" Worte, die ebenso in den deutschen Sprachschatz eingingen wie Redewendungen Marke "Dem Ingeniör ist nichts zu schwör".

"In der Masse sind wir als Wissenschaftler nicht anerkannt", bedauert Daniel und vermutet, dass das unter anderem auch etwas mit den Ritualen zu tun hat, die auf den Kongressen herrschten: "Statt richtig zu klatschen, rufen wir 'Klatschklatsch', für besondere Leistungen gibt es das Schild 'Bissiger Witzbold'. Und wer versagt, über den wird die 'Pampelmusenstrafe' verhängt." Alles Gebräuche, die aus den Donald-Comics entnommen sind. Auch der feste Glaube, der Donaldisten, dass Entenhausen wirklich existiert - allerdings womöglich als Paralleluniversum -, oder wissenschaftliche Untersuchungen wie die des Duck'schen Stammbaums stoßen bisweilen auf Unverständnis: "Wir sind so was wie ein ewiger Karnevalsverein, bei uns ist Humor Grundvoraussetzung, das Ganze ist eine lustige Satire auf die allgemeine Wissenschaft. Einfach amüsant."

Allerdings eher für Ältere. Die meisten Donaldisten sind zwischen 35 und 55 Jahre: "Ich kenne nur. Drei oder vier, die in meinem Alter sind." Sicher spielt die Zeitspanne, die zwischen der Gründung von D.O.N.A.L.D. und heute liegt, eine Rolle: "Das ist Immerhin fast 25 Jahre her." Auch die enge Bindung, die es früher einmal gab, fehlt: Wo früher Generationen mit Micky und Donald aufwuchsen, machen heute in einem Jahr die Diglmons die Pokemons platt - Comicfiguren werden immer rascher immer austauschbarer. Und auch den hohen Anteil von Akademikern unter den Donaldisten sollte man nicht außer Acht lassen. Wer Wissenschaft auf die Schippe nehmen will, muss sich zumindest mit wissenschaftlichen Gepflogenheiten auskennen. Wen all das nicht abschreckt, dem empfiehlt X-ray einen Blick ins Internet, wo die Donaldisten-Homepage (in zwei Varianten; die neuere ist wesentlich übersichtlicher gestaltet) unter www.donald.org zu finden ist.

zurück nach oben
Hier können Sie einen ausführlichen Lebenslauf von Daniel Veith im PDF-Format herunterladen.
Lebenslauf Daniel Veith

Um dieses Dokument lesen zu können, benötigen Sie die Software “Acrobat Reader” in der Version 4.0 oder höher. Zum Download klicken Sie hier:
Das Copyright © aller Inhalte und Abbildungen der Website liegt bei Daniel Veith.