15.01.2005 – Fränkische Nachrichten / Main-Post / Tauber-Zeitung

HEIKE VON BRANDENSTEIN:

„Globalisierung auch bei den Sprachen?“
Daniel Veith macht am Rio de la Plata Vor-Ort-Untersuchungen für seine Doktorarbeit

Daniel Veith ist einer, der eigentlich ständig auf Achse ist. Interessiert, Neues zu entdecken, auszuprobieren und sich von anderen Kulturen und Sprachen einnehmen zu lassen, ist er aber kein Weltenbummler nach herkömmlichem Klischee, sondern einer, der sich der Sprachwissenschaft verschrieben hat. Der 24jährige machte sich vom Weihnachtsurlaub in Tauberbischofsheim gestern wieder nach Buenos Aires auf, um sich erneut eine Bleibe für seine Studien zu suchen.

Wenn Daniel Veith von Südamerika erzählt, ist ihm die Begeisterung deutlich anzumerken: Nicht allein die portugiesische oder spanische Sprache haben es ihm angetan, sondern auch Land und Leute sowie deren Geschichte. Dabei erstaunen ihn immer wieder die Unterschiede zwischen Stadt und Land sowie Nord und Süd. „São Paulo ist für mich der Inbegriff und Albtraum westlicher Urbanität“, beschreibt er seinen Eindruck von der Metropole, in der ihm die Wolkenkratzer noch viel eindrucksvoller als in New York erschienen. In Rio de Janeiro hingegen hat ihn allein der Corcovado mit seinem Weltblick beeindruckt. Ansonsten empfand er die berühmten Strände als verschmutzt und nicht gerade attraktiv.

Doch eigentlich hält sich Veith nicht in Südamerika auf, um sich dort Städte anzuschauen und allein dem reisenden Bildungsprinzip zu huldigen. Vielmehr gilt sein anstehender Aufenthalt der Promotion im romanistischen Fach der vergleichenden Sprachwissenschaft. Im vergangenen Juli machte der damals gerade erst 23jährige Student an der Universität Würzburg seinen Magister mit der Abschlussnote sehr gut. Mit gerade einmal vier studierten Semestern war er damit der erste, der sein Studium in so kurzer Zeit absolvierte. Lautete sein Arbeitsthema bei Prof. Wilhelm Pötters damals „Untersuchungen zum italienisch-spanischen Sprachkontakt am Rio e la Plata“, will er in seiner Doktorarbeit jetzt darauf aufbauen.

Wieder geht es ihm darum, wie und ob die italienische Sprache in bestimmten Gebieten Eingang in die spanische Sprache gefunden hat. „Es geht um den Sprachkontakt, um die Frage nach Vermischung oder Differenzierung und damit auch um die Frage, inwieweit sich die Globalisierung auch in der Sprachentwicklung erkennen lässt“, sagt Daniel Veith.

Einen ersten Praxistest, wie er seine hohen Ziele erreichen kann, hat er in Rolândia, einem Vorort der brasilianischen 600.000-Einwohner-Stadt Londrina, unternommen. Rolândia wurde einst von drei Bremern gegründet, weshalb die Stadt auch über einen verkleinerten Roland verfügt. Nachkommen ehemaliger deutscher Einwanderer hat Daniel Veith einen Katalog mit 40 Fragen vorgelegt, welche deutschen Worte sie kennen, ob sie überhaupt noch deutsch sprechen, wie lange sie deutsch gelernt haben und mit wem in der Familie deutsche Konversation gepflegt wurde oder wird.

Bei diesem Test hat Veith herausgefunden, dass sich die Antworten, bezogen auf unterschiedliche Generationen, wiederholen und so Lehren für seine nächsten Studien gezogen. Bei seiner Promotion in Buenos Aires geht es ihm wiederum um Italianismen im Spanischen, die er in einem Wörterbuch als aktuelle Bestandsaufnahme festhalten will. Zudem will er aufzeigen, wo und in welchem Zusammenhang Italianismen verwandt werden, um so eine Verbindung zwischen gesellschaftlichen oder sozialen und sprachlichen Komponenten herzustellen. Mitte des kommenden Jahres, dann ist Daniel Veith 25 Jahre alt, will der Sprachwissenschaftler seine Promotion abgeschlossen haben.

Ein Promotionsstipendium hat Veith vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) erhalten. 17 Bewerber aus den unterschiedlichsten Wissenschaftsgebieten standen auf der Auswahlliste für Südamerika, vier wurden vergeben. Daniel Veith freut sich, dass er darunter ist, ermöglicht ihm ein DAAD Stipendium nun wiederholt einen Auslandsaufenthalt und Forschung vor Ort.

Doch weil Daniel Veith nicht nur forscht, sondern auch gern praktisch ausprobiert, wie Sprachen schnell und sicher gelernt werden können, hat er an der Filadelfia-Universität von Londrina über drei Monate hinweg Deutschkurse nach einer selbstentwickelten Methode gegeben. Mit einem Grundwortschatz von 1500 Worten und einer grammatikalischen Grundstruktur, die die Zeiten Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als Maßstäbe der Kommunikation annimmt, gelang es ihm, Sprecher romanischer Sprachen schnell zur Sprechfähigkeit im Deutschen zu verhelfen. „Am schwierigsten", so Veith, "ist die Deklination von Adjektiven.“

Dass deutsch gerade in Brasilien eine große Rolle spielt und Deutsche dort hohen Respekt genießen, hat Veith bei vielen Gelegenheiten erfahren. „Das Oktoberfest in Blumenau mit einer Fachwerkhäuser gesäumten Straße war die Krönung“, stellt er amüsiert fest. Die Bierhallen würden da nicht einmal abgebaut, sondern seien in riesigen Messehallen untergebracht.

Wenn Daniel Veith in Buenos Aires ankommt, wird er in den ersten vier Wochen wiederum reisen. Dieses Mal steht der Nordosten auf dem Programm. Erst danach wird er sich intensivst seinen wissenschaftlichen Studien widmen.

Eine traumhafte Kulisse hat der Tauberbischofsheimer Daniel Veith für seine Sprachstudien im Rahmen seiner Doktorarbeit: die Skyline von Rio de Janeiro
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Hier finden Sie Pressestimmen zu Daniel Veith:
2005-01-15:
„Globalisierung auch bei den Sprachen?“
2004-01-24:
„Südamerika mit allen Facetten erlebt“
2003-01-20:
„Junger Mann mit vielen Talenten“
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