Roman "Vespuccis Wiederkehr"

Daniel Veith schrieb seinen ersten Roman Vespuccis Wiederkehr mit 18 Jahren noch während seiner Schulzeit. Bis 2001 hat er ihn inhaltlich und stilistisch überarbeitet (ca. 500 Seiten).

Zum Inhalt

Der italienische Schnapsproduzent Policarpo Peruzzi (64) hält sich für den größten Humanisten des ausgehenden Jahrtausends. Selbstverständlich möchte er auch seine Kinder zu kunstentflammten Grundpfeilern des Seelenadels heranreifen lassen. Bedauerlicherweise nur läuft – wie so oft auf Erden – nicht alles ganz nach des Vaters Bildungskonzepten: Seine vier Nachkommen verrohen zu perversen Jüngern der Sittenlosigkeit.

Tochter Simonetta ist begnadete Reporterin diverser Pornozeitschriften, der einst verheißungsvolle Stammhalter Sandro eröffnete den bestürzten Eltern unlängst, seit einem halben Jahr mit einem illegitimen Schlamperweib unter einer Bettdecke zu leben, aber den unermesslichen Gipfel der moralisch-tugendsamen Entartung markieren zweifellos Aristotile und Raffaella: Des zweiten Sohnes bisweilen äußerst befremdliche Allüren erweisen sich als weitaus folgenschwerer, als sich Policarpo je zu träumen gewagt hätte, und mit Raffaella schließlich, dem Nesthäkchen der Familie, passiert noch viel Schlimmeres, Entsetzlicheres, fast schon der Weltuntergang...

Policarpo selbst ist schockiert. Seine katholisch-humanistische Schöpfungsidylle ist mit einem Mal vollkommen und unwiderruflich in sich zusammengebrochen. Vor den verheerten Trümmern dieses überidealisierten Menschenbildes werden ihm die Augen geöffnet: Er hat schon immer das falsche Leben gelebt, seine kümmerliche Christenexistenz war eine einzige Brunst-Öde. Unterdrückt und geknebelt von Eltern und Gattin, blockiert und abgewürgt in der normalen psychosexuellen Reife, war er zeitlebens ein ausgedorrter Kaktus im lustregierten Paradiesgarten der Geilheit gewesen, ein dank immerwährender katholischer Repression und brutaler Gehirnwäsche bis auf das letzte Tröpfchen versiegter Lebensquell.

Nun denn, das soll sich schleunigst ändern: Nach Jahrzehnten der Abstinenz und des religiösen Wahns fasst Policarpo den Entschluss, sich zu einem „wahrhaftigen“ Mann zu entwickeln und radikal und für alle Zeiten mit seinem mönchischen Asketentum zu brechen; mehr noch, er setzt sich das Ziel, „geilster Bock des Erdkreises“ zu werden. Mit Vollgas rauscht er hinein in eine um ein halbes Jahrhundert verspätete Pubertät.

Ob Policarpo wohl noch als prickel-brünstiger Spätzünder im Rentenalter den „Felsblock des Katholizismus“ von seinem Gemüt stemmen und sich letztendlich zur befriedigenden Sinnenlust durchfummeln kann? – Wir denken: Ja. Aber wie? Mit wem? Wo und wann? Als weiterhin überzeugter Humanist würde er gewiss niemals im Schutzmantel der Nacht die Ausfallstraßen der italienischen Großstädte abgrasen. Und was geschieht dann eigentlich mit Policarpos keifendem Eheweib und Hausdrachen Immacolata? Nicht zu vergessen die sexual-anarchistischen Intrigen des übergeschnappten Endzeit-Propheten Sweet Jesus. Und was hat überhaupt Simonetta Vespucci, die Göttin der Schönheit im Florenz des 15. Jahrhunderts, im Buchtitel verloren?
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Kapitel 1 - 10
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