Italienisch am Río de la Plata
Romanischer Sprachkontakt im Zeitalter der Globalisierung
(Dissertation)

Mit der zunehmenden Globalisierung der Welt rücken auch die verschiedenen Sprachgemeinschaften immer enger zusammen.

Wer um 1900 als Auswanderer seine Sprachgemeinschaft verließ, hatte damit in den meisten Fällen auch gleich den Kontakt mit ihr für immer verloren. Konfrontiert mit der Notwendigkeit zu kommunizieren, gab man allmählich – spätestens in der darauffolgenden Generation – seine Muttersprache zugunsten der Sprache des Gastlandes auf.

Heutzutage könnte man dagegen sogar vom Südpol aus über Internet den Lokalradiosender seiner Heimatregion hören, am Kiosk trifft man die Wahl zwischen Tageszeitungen und Zeitschriften aus jedem Winkel und in jeder Sprache der Welt.

Es stellt sich nun die Frage, ob in dieser „babylonischen Sprachverwirrung“ der Moderne die Sprachen noch mehr zur Vermischung neigen oder ob sich gerade infolge dieser extremen Konfusion – auch begünstigt durch die bessere Schulbildung – ein stärkeres Bewusstsein für die einzelnen Sprachen herausbildet und man sie vor allem in bilingualem Kontext eher getrennt hält.

Am deutlichsten lässt sich dies im Kontakt von zwei sehr ähnlichen Sprachen untersuchen, wo ja die Anfälligkeit für Interferenzen umso größer ist: Als idealer Standort für derartige soziolinguistische Feldforschungen bietet sich demnach das Gebiet des Río de la Plata an, das seit über 150 Jahren Ziel italienischer Einwanderung ist und folglich besonders signifikante Sprachkontaktphänomene evoziert.

Daniel Veith präsentierte in seiner Magisterarbeit „Me quiame Franchisque Cocoliche – Untersuchungen zum italienisch-spanischen Sprachkontakt am Río de la Plata“ (167 Seiten) eine kritische Schau des aktuellen Forschungsstands zur Situation der italienischen Sprache in Argentinien. Hierbei stellte er fest, dass erstaunlicherweise – abgesehen von einigen Aufsätzen, die in erster Linie das Italienische der Immigranten um 1900 (das sog. Cocoliche) behandeln – nie eine wirklich umfassende Untersuchung dieser Kontaktsituation in Angriff genommen wurde und daher innerhalb der Soziolinguistik noch eine große Lücke klafft.

Ziel des Dissertationsprojekts ist es nun, am Beispiel des bisher in der romanischen Sprachwissenschaft recht stiefmütterlich behandelten italienisch-spanischen Sprachkontakts in Argentinien allgemeine Prognosen zur Entwicklung des Sprachkontakts, seinen Tendenzen und Folgen vor dem Hintergrund der wachsenden kulturellen und ethnographischen Verflechtung der Welt ableiten zu können.

Daniel Veith: Italienisch am Río de la Plata. Ein Beitrag zur Sprachkontaktforschung. Frankfurt/Main etc.: Peter Lang 2008.


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Zu Daniel Veiths Forschungsprojekten gehören:
Italienisch am Río de la Plata (Dissertation)
Deutsche Sprache und Kultur in Südamerika
Deutschkurs für Sprecher romanischer Sprachen
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